Archiv für den Monat: September 2014

Nachbericht zur Wanderung mit dem Förster

Nach Wochen des Wartens war es endlich so weit. Die Wanderung mit dem Förster fand statt. Bevor es raus in den Wald ging, trafen sich die Vereinsmitglieder des Vereins Geocaching Paderborner Land e.V. im Natuschutzzentrum Steinbeke, um einem einleitenden Vortrag des Försters Oliver Sielhorst zu hören. Er erklärte den Geocachern, dass es ein Waldbetretungsrecht gibt, welches auch abseits der Wege gilt. Auch die Ausführungen zu den Naturschutzgebieten (NSG) leitete er damit ein. Was dort alles erlaubt ist und was nicht, wie z.B. das Betreten des NSG-Gebietes außerhalb der vorgegebenen Wege. Nach einer lebhaften Diskussion sammelten sich die Vereinsmitglieder vor dem Haus und es ging geschlossen den Naturpfad Steinbeke entlang. Eines der Ziele war die Naturwaldzelle Rosenholz. Denn diese durfte heute ausnahmsweise betreten werden. Unterwegs beantwortete Herr Sielhorst die vielen Fragen der Geocacher und hatte viele interessante Informationen parat.

Naturschutzschild
Naturschutzschild

Am Rande des Waldes mit Ausblick auf Egge und Senne
Am Rande des Waldes mit Ausblick auf Egge und Senne

In mitten der Naturwaldzelle
In mitten der Naturwaldzelle

So erfuhren die Wanderer zur Geologie des Bereiches Steinbeke, dass er aus Muschelkalk besteht, der noch die Versteinerungen ausgestorbener Meerestiere wie Muscheln, Seelilien, Ammoniten und Schnecken enthält.

Die zwischendurch fallenden Regentropfen wurden zum Anlass genommen, etwas den Begriff der Rhein-Weser Wasserscheide zu erläutern. Die Wasserscheide trennt das Einzugsgebiet von Flüssen bzw. Strömen voneinander. In unserem Fall trennt das Eggegebierge das Wasser Richtung Westen zum Rhein und Richtung Osten zur Weser hin auf.

Weiter ging es durch den dichten Laubwald, der bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die dominierende Vegetationsform in der Egge war und besonders durch Hude genutzt wurde. Hude? Ja, das bedeutet Viehweide, denn der Wald wurde zum Beispiel zur Eichelmast von Schweinen genutzt. Die Buchen in unseren Wäldern wurden früher oft regelmäßig geschneitelt, das heißt beschnitten, um die Blätter und Triebe als Viehfutter zu verwenden. Noch heute kann man dies den Bäumen aus der Zeit ansehen.

Nachdem auch die letzte schweißtreibende Steigung überwunden war, betrat die Gruppe die noch junge Naturwaldzelle Rosenholz, die gerade einmal seit 30 Jahren diesen Schutz genießt. Im Vergleich zur Lebensdauer von Buchen, die bis zu 300 Jahre alt werden können, merkt man, dass 30 Jahre noch ein recht junges Alter ist. Sofort fiel auf, dass der Wald irgendwie unaufgeräumter aussah. Was aber völlig normal ist, da Naturwaldzellen (NWZ) ihrer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Sie sind Schutzwald, für den für Menschen Betretungsverbot besteht. Ziel ist hierbei die natürliche Entwicklung von Flora und Fauna auf einer der natürlichen Vegetation nahen Entwicklungsstufe zu sichern – ohne Eingreifen des Menschen.

Totholz ist nicht tot
Totholz ist nicht tot

Ein schönes Beispiel dafür war ein umgestürzter Baum, an dem Baumpilze mit zwei Wuchsrichtungen beobachtet werden konnten. Baumpilze wachsen immer mit ihrer Unterseite nach unten, da sie so ihre Sporen verteilen. An einem stehenden Baum wachsen sie also senkrecht zum Baumstamm. An einem liegenden Baumstamm wachsen sie hingegen parallel zum Baumstamm. An dem vorgefundenen Baumstamm konnten beide Wuchsrichtungen beobachtet werden. Dies bedeutete, dass der Baum bereits während seines Wachstums von dem Pilz besiedelt war und der Pilz immer noch auf und in ihm gedeiht.

Baumpilz mit zwei Wuchsrichtungen
Baumpilz mit zwei Wuchsrichtungen

Weiter ging es durch den Wald, zu einem eingezäunten Areal, in dem auf den Bäumen Nummern angebracht waren. Nein, das war kein Waldmystery, sondern ein Bereich in dem selbst für die Waldbewohner ein Betretungsverbot galt. Da diese nicht lesen können, war das Gebiet von dem Zaun umgeben. So kann beobachtet werden, wie sich der Wald ohne verfressenes Wild entwickelt. Direkt neben dem eingezäunten Gebiet stehen Bäume, die diesen schützenden Zaun nicht haben und ebenfalls durchnummeriert regelmäßig vermessen werden.

Malen nach Zahlen?
Malen nach Zahlen?

Am Ende der Zelle ging es entlang eines sich am Hang entlang schlängelnden Weges wieder hinab in das Beketal zum Römerbrunnen. Hier nutzte der Förster die Gelegenheit, um an einem Steinbruch im Hang auf mögliche Naturschutzprobleme beim Geocaching hinzuweisen. Auch hier wurde nicht der mahnende Zeigefinger gehoben, sondern ruhig und sachlich erklärt, was beim unbedachten Betreten eines Areals passieren kann. So sah für viele der mit Farn bewachsene Steinbruch besonders einladend aus, dort einen Cache zu platzieren. Prinzipiell wäre das auch für den Förster in Ordnung. Aber die dabei zu beantwortende Frage ist, wie viele Geocacher so ein Steinbruch vertragen würde. Denn was von uns nur als einfacher Farn identifiziert wurde, über den wir hinweg getrampelt wären, war Hirschzungenfarn. Dieser steht unter Naturschutz und ist nach der Bundesartenschutzordnung besonders geschützt und ist auf der Roten Liste. Das war ein Beispiel, dass uns nachdenklich stimmte. Wir messen dem Naturschutz als Geocacher eine besondere Bedeutung bei und möchten so wenig wie möglich in die Natur eingreifen und unser Hobby naturfreundlich ausüben. Jedoch nimmt das ungeschulte Auge nicht immer wahr, wie kostbar einige unscheinbare Stellen doch sind. Wie sensibel der Umgang mit der Natur sein muss, wurde uns durch dieses praktische Beispiel noch einmal in unser Bewusstsein gerufen und sorgte dafür, dass wir die Caches weiter mit geschärften Sinnen suchen und verstecken werden.

Pflanze in Steinwand
Pflanze in Steinwand

Nach so vielen Eindrücken fand die Wanderung schließlich ihren Ausklang am Ausgangspunkt, dem Naturschutzzentrum, mit einer herzlichen Verabschiedung und einem besonderen Dank aller Teilnehmer an Herrn Sielhorst, der diese Veranstaltung möglich gemacht und durch seine informative und kommunikative Art zu einem Highlight hatte werden lassen.

Da freuen wir uns schon auf die nächste Veranstaltung, die uns zu historischen Stätten in der Egge führen wird.

Bis bald im Wald.
Euer GCPL

Blick gen Himmel
Blick gen Himmel

Naturkontakt mit Spuren
Naturkontakt mit Spuren

gesplittertes Holz
gesplittertes Holz

Geburtsanzeige

Hiermit heißen wir unser neustes und jüngstes Vereinsmitglied herzlichst willkommen!

Am 8.8.2014 erblickte

Bjarne Siljan

Bjarne Siljan

das Licht der Welt. Und noch vor seinem ersten Geburtsmonat können wir ihn im Kreis des Geoaching Paderborner Land e.V. willkommen heißen. Wir wünschen ihm und seiner Familie alles Gute für seinen Start in ein aufregendes, gesundes und glückliches Leben!